Klarheit in der Evangeliastion

Autor

Joel Fey

Kategorie

Evangelisation

Magazin

3 / 2020

Der große Heidenevangelist Paulus bittet, dass man für ihn betet, dass er das Evangelium in aller Klarheit verkündigen kann. Daraufhin ermahnt er auch die Gemeinde, dass sie alle mit ihrem Leben dazu beitragen: „Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draußen sind, die gelegene Zeit auskaufend. Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, so dass ihr wisst, wie ihr jedem Einzelnen antworten sollt.“ (Kol. 4,2–6)

Wandel vs. Wort

Zur Verbreitung des Evangeliums gehören ein guter Wandel und klare Worte! Ein Wandel, der Fragen aufwirft, und Antworten, die heilsam sind. Die verbale Verkündigung des Evangeliums und der sichtbare Lebenswandel sind untrennbar miteinander verbunden. Sie sind wie die zwei Flügel eines Flugzeuges, welches nur dann ans richtige Ziel kommt, wenn beide Flügel unbeschädigt sind und richtig gelenkt werden.

Ich habe gemerkt, wie mein Flugzeug – also mein Auftrag, das Evangelium zu verbreiten – in eine Schieflage gekommen ist. Meiner bequemen und wenig leidensbereiten Natur hat es gefallen, dass in meiner Generation der Wandel mehr betont wird als die Wortverkündigung. Ein guter Mensch sein, zuerst mal tiefe Beziehungen aufbauen, niemandem Anstoß geben, ab und zu ein frommes Wort fallen lassen – irgendwann Fragen die Leute dann schon mal nach.

Doch irgendwie habe ich dann doch den Moment verpasst, bei dem ich das Evangelium klar verkünden sollte. Es wurde immer schwerer, mit der Wahrheit herauszurücken, dass sie ohne Christus ewig verloren gehen. Wenn ein Kind auf eine Klippe zugeht, dann denke ich auch nicht: „Es sieht doch, dass ich auf dem richtigen Weg bin!“ Nein, ich gehe hin und kläre es über die drohende Gefahr auf.

Natürlich ist die christliche Präsenz (guter Wandel, Werke zeigen, Zeugnis sein …) der beste Boden, auf dem die Verkündigung des Evangeliums fruchtbar ist. Doch wie sollen sie zum Glauben kommen, wenn ihnen niemand das Evangelium klar verkündet? Wenn alle Christen so wenig das Evangelium verkünden würden wie ich, wäre das eine schreckliche Tatsache.

Die Menschen müssen die Information über das Evangelium und die Aufforderung zur Umkehr hören. Oft getraue ich mich nur unklare Bruchstücke des Evangeliums weiterzugeben, anstatt meinem Mitmenschen das ganze Evangelium zu bringen. Ein klares Evangelium spricht von Sünde, Erlösung und der Aufforderung, dass Gott eine Reaktion erwartet. Ich musste Buße tun und bekennen: Ja, ich lebe vermeintlich als vorbildlicher Christ, doch meinem Auftrag, die gute Nachricht zu verbreiten, bin ich nie wirklich nachgekommen.

Jeder Christ ein Evangelist

In den letzten Monaten bezeugten mir viele Christen, dass auch ihr „Flugzeug“ gefährliche Kurven fliegt. Da ein guter Wandel ausreicht, hat das auch bei ihnen die Wortverkündigung mehr und mehr verdrängt. Dazu kommt, dass wir viele Ausreden haben, warum es gerade bei uns so sein darf. Wir überlassen es dann lieber den Profis. Doch Gott zerschlug alle meine Ausreden – wie z. B., dass ich nicht die Gabe dazu habe.

Auch wenn ich nicht die spezifische Gabe habe, wie die Christen in den Missionsbiografien, ist der Auftrag trotzdem für alle Nachfolger bindend. Gott machte mir klar: Es geht einzig und allein um meinen Gehorsam, und um Hingabe – auch ohne (gefühlte) Gabe! Ich wurde ermutigt, weil ich neu entdecken durfte, dass jeder Christ mit allem ausgerüstet ist, um das Evangelium zu verkünden. Jeder von uns hat die entscheidende Gabe bekommen – den Heiligen Geist – Jesus Christus selbst in uns! Auch Timotheus war nicht der „große

Evangelist“ wie sein Mentor Paulus, sondern eher der Typ hinter den Büchern. Es scheint, als wäre er durch Menschenfurcht und geringe Leidensbereitschaft gehindert worden. Trotzdem wird er ermutigt: „Gott hat uns nicht einen Geist der Furchtsamkeit gegeben, sondern der Kraft, … so schäme dich nun nicht …, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium … tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst!“ (1. Tim. 1,6–7; 4,5).

Wir senden oft die „Profis“ aus, um das Evangelium hinauszutragen. Doch als die ersten Christen durch die Verfolgung zerstreut wurden, hat sich das Evangelium durch die Gemeinde verbreitet, und nicht durch die „Profis“. Denn die Apostel sollten in Jerusalem bleiben (Apg. 8,1–4). Was zählt, ist der Gehorsam und die Inanspruchnahme der in uns wirkenden Kraft.

Finde deinen Rahmen

Mir ist aufgefallen, dass sich Christen oft einen Rahmen schaffen, um wichtige Elemente in ihr Glaubensleben zu implementieren. Wir haben z. B. die Stille Zeit erfunden. Man bestimmt eine Zeit, oft auch einen Ort, und bedient sich verschiedener Methoden, um Gottes Wort regelmäßig zu studieren, und auch um zu beten. Damit haben wir diesen Dingen in unserem Leben einen übergeordneten Stellenwert gegeben. Wir wissen, dass wir uns vom Wort Gottes ernähren müssen und die Gemeinschaft mit Gott durch das Gebet brauchen. Obwohl uns die Bibel dazu keinen Rahmen vorschreibt, haben wir einen erschaffen.

Doch hast du auch einen Rahmen gefunden für den großen Auftrag, der dir übertragen wurde? Welche Zeiten, Orte und Methoden (Werkzeuge) hast du dir dafür bestimmt, angeeignet und angewöhnt? Sodass du die Information und die Aufforderung des Evangeliums klar an andere Menschen weitergibst?

Selbst wenn jemand nicht so begabt ist, würden wir ihn auffordern, einen Weg zu finden, seine Bibel zu studieren und zu beten. Die meisten von uns würden die geschaffenen Rahmen für Bibellesen und Gebet nicht als ungeistlich oder unbiblisch ansehen. Doch wenn es um Evangelisation geht, dann empfinden einige Christen die Methoden gleich als fragwürdig, und geplante Einsätze nur als etwas für begabte Profis. Der große Evangelist Moody wurde von jemandem für seine Methoden kritisiert, doch er meinte: „Ihnen gefällt die Methode nicht, mit der ich evangelisiere. Aber Sie benutzen weder eine Methode noch evangelisieren Sie, und das gefällt mir nicht!“

Ich wünsche mir, dass die Generation nach uns die Erfüllung des Missionsauftrages genauso als Teil ihres geistlichen Lebens mitbekommt, wie uns das Bibellesen und das Gebet beigebracht und angewöhnt wurde. Doch dazu müssen wir als Einzelne und als Gemeinde vorangehen und verschiedene Wege vorstellen, einsetzen und uns gegenseitig dazu ermahnen.

Der Auftrag ist da! Die Menschen warten! Die Kraft ist uns zugesagt! Die Ausreden sind aufgedeckt! Werkzeuge haben sich bewährt! Worauf warten wir noch?