Sterbeerlebnisse und Nahtoderfahrungen – davon hört und liest man immer wieder. Videos, Berichte und Bücher über dieses Thema gibt es unzählige. Menschen sind angeblich gestorben und durch unerklärliche Vorgänge wieder ins Diesseits zurückgekommen. Dabei haben sie Unglaubliches erlebt. Etliche berichten, dass sie in dieser Situation sogar in den Himmel gekommen und Gott begegnet seien. Atheisten sollen durch solches Erleben zu Gottgläubigen geworden sein. Kinder überraschten nach ihrer Rückkehr von diesem (Schein-)Tod mit angeblich unglaublichen Kenntnissen; und überhaupt wurde durch diese Schilderungen vielen die Angst vor dem Tod genommen.
Können wir diesen Erzählungen Glauben schen- ken? Sind sie Beweise für ein Leben nach dem Tod? Können sie unseren Glauben stärken? Und gewinnen wir daraus vielleicht sogar neue Erkenntnisse über das Leben nach dem Tod?
Die Auswirkungen eines solchen Erlebens auf einen Menschen sind oft umfassend. Der amerikanische Sterbeforscher Kenneth Ring, Professor für Psychologie an der Universität von Connecticut und Co-Direktor der Internationalen Vereinigung für Nahtodforschung, sagt: „Durch die Nahtodforschung haben wir gelernt, den Tod mit anderen Augen zu betrachten, ihn nicht mehr zu fürchten, sondern ihn im Gegenteil als eine Begegnung mit der Liebe zu sehen. Wer den Tod so versteht, wie es Menschen mit Nahtoderfahrung tun, braucht einfach keine Angst mehr vor dem Tod zu haben …“
In das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit sind solche Nahtoderfahrungen erstmals in den 1970er-Jahren gerückt. Dr. Elisabeth Kübler-Ross war die Erste, die in ihrem Buch „Interviews mit Sterbenden“ (1969) auch Nahtoderlebnisse veröffentlichte. Dr. Raymond Moody beschrieb 1975 in seinem Buch „Live after life“ (Leben nach dem Leben) Berichte von Menschen, die „gestorben“, aber mit Hilfe der modernen Medizin wiederbelebt worden waren. Diese Menschen schilderten, wie sie ihren Körper verlassen und den eigenen Tod erlebt hatten, wie sie in eine fremde Welt, in ein wundervolles Paradies gereist und nur widerstrebend in ihren stofflichen Körper zurückgekehrt seien.
Der schon oben erwähnte Kenneth Ring zählte in seinem Buch „Den Tod erfahren, das Leben gewinnen“ häufig auftretende Bilder bei diesen Sterbeerlebnissen auf (nicht jedes bei jedem):
1. das Gefühl der Aufwärtsbewegung, manchmal mit unglaublicher Geschwindigkeit,
2. während man sich dem Licht nähert, das von überwältigender Helligkeit ist, den Augen aber nicht wehtut.
3. Angesichts des Lichts spürt man reine Liebe,
4. totale Annahme,
5. Vergebung der Sünden
6. und das Gefühl, heimzukehren.
7. Die Kommunikation mit dem Licht kommt direkt, aber nicht auf der Wortebene zustande.
8. Das Licht vermittelt universelles Wissen und befähigt dazu, sein ganzes Leben vor sich ablaufen zu sehen und zu verstehen, sodass deutlich wird, was im Leben wirklich zählt.
9. Beim tieferen Vordringen in die Erfahrung nimmt man transzendentale, überirdische Musik wahr,
10. eine paradiesische Umgebung
11. und Städte aus Licht.
12. Wenn man dem Licht begegnet ist, sehnt man sich danach, für immer in ihm zu bleiben.
Der stärkste Eindruck ist die Begegnung mit dem Lichtwesen. Es hat personalen Charakter, „die Liebe und die Wärme, die von diesem Lichtwesen zur sterbenden Person ausströmen, entziehen sich jeder Beschreibung. Der Betreffende fühlt sich völlig darin eingehüllt, vollkommen frei und leicht und von diesem Lichtwesen angenommen. Er fühlt eine unwiderstehliche magnetische Anziehungskraft hin zu diesem Licht“ (Moody). Meist erfolgt die Kommunikation nicht durch Worte, sondern durch Übertragung der Gedanken. Angesichts dieses Lichtwesens sei „jedes Missverständnis und jede Lüge ausgeschlossen“. Auf diese Weise wird z. B. vermittelt: „Bist du bereit zu sterben? Was hast du in deinem Leben Gutes getan?“ Dabei kommt aber keine Art von „Verdammnis“ zum Ausdruck; es geschieht völlig angstfrei.
Die Berichte und Ergebnisse verschiedener Forscher sind nicht deckungsgleich
Dem entgegengesetzt berichtete der amerika- nische Herzspezialist Dr. Marice Rawlings anfangs der 1980er-Jahre: Es gab bei seinen Patienten nicht nur positive, sondern genauso viele negative Nahtoderfahrungen: Visionen von Gericht und Hölle, die als schrecklich empfunden wurden. Rawlings ist bekennender Christ; seine Beobachtungen wurden deshalb von anderen Fachleuten verworfen. Allerdings wurde inzwischen auch in anderen Veröffentlichungen von erschreckenden Nahtoderfahrungen berichtet. Meist wird dies jedoch verkannt oder vertuscht.
Zudem hat man beobachtet, dass diese Erlebnisse stark von dem geprägt sind, was ein Mensch während seines Lebens erlebt und geglaubt hat. Deshalb sind die Nahtoderlebnisse in anderen Kulturen und Religionen oft anders als bei uns im Westen. So gibt auch Kenneth Ring zu: Allgemeingültiges über den Tod und das Danach kann mit dem bisherigen Material nicht wirklich gesagt werden.
Es gibt naturwissenschaftliche Einwände
a) Durch mangelnde Durchblutung entsteht beim Sterben ein Sauerstoffmangel im Gehirn. Dadurch kommt es zu Trugwahrnehmungen, die dann als Nahtoderlebnisse ausgelegt werden. Diese körperchemisch ausgelösten Halluzinationen sind ein Trick der Natur, der uns das Sterben erleichtern soll.
b) In lebensbedrohlichen Situationen werden im Gehirn Endorphine (körpereigene, morphiumähnliche Substanzen) ausgeschüttet, die Halluzinationen bewirken.
Zudem können auch nicht lebensbedrohende Situationen (wie z. B. bei Epilepsie, Drogenkonsum, Hypnose oder Meditation) gleiche Erlebnisse auslösen. Die Nahtoderlebnisse sind deshalb keineswegs als Beweis für ein Leben nach dem Tod zu werten. Allerdings wollen etliche Sterbeforscher dies nicht gelten lassen. Wir Menschen glauben gerne und leicht, was wir glauben wollen und was unsere bisherigen Ansichten bestätigt.
Eine persönlich erlebte Vision ist kein Beweis für diese „Wahrheit“
Persönliche Berichte über Erfahrungen in solch einem Zustand können nicht als Beweis gewertet werden. Auch aus diesem Grund hat der Herr Jesus nach seiner Auferstehung seine Jünger aufgefordert, ihn auch zu betasten: „Seht meine Hände und meine Füße an, dass ich es leibhaftig bin! Betastet mich und beschaut mich; ein Geist hat ja doch kein Fleisch und keine Knochen, wie ihr solche an mir wahrnehmt.“ (Lk. 24,39)
Öfter haben Betroffene berichtet, sie hätten ihren Körper verlassen und bewusst erlebt, dass sie darüber schwebend zugeschaut haben, wie Ärzte sich um ihren Leib bemühten und ihn zu reanimieren versuchten. Dazu ließen sich einige Forscher ab 2008 zur Überprüfung eine spezielle Methode einfallen. In dieser AWARE-Studie (AWAreness during REsuscitation, Bewusstsein während der Wiederbelebung) wurden auf Intensivstationen, in denen Patienten nach einem Herzstillstand oder Gehirnversagen wiederbelebt wurden, oberhalb der Operationstische Tafeln mit Symbolen angebracht. Aus der Position des Patienten waren sie nicht zu sehen.
Wenn jedoch ein Patient tatsächlich seinen Körper verlassen und von oben auf ihn herabschauen würde, dann müssten diese ihm auffallen. – Bis heute konnte ein solches Erkennen noch nicht nachgewiesen werden.
Nahtoderlebnisse widersprechen häufig der Bibel
Bibelkundige erkennen schnell, dass die allermeisten der veröffentlichen Visionen der Heiligen Schrift widersprechen. So schreibt z. B. der Apostel Paulus in 2. Kor. 12,2–4: „Ich weiß von einem Menschen in Christus, der vor 14 Jahren (ob im Leib oder ob außerhalb des Leibes, ich weiß es nicht; Gott weiß es) bis in den dritten Himmel entrückt wurde. Und ich weiß von dem betreffenden Menschen (ob im Leib oder außerhalb des Leibes, weiß ich nicht; Gott weiß es), dass er in das Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht sagen darf.“
Dem Apostel Paulus, der möglicherweise selbst dieser Mensch war, wurde also nicht erlaubt, darüber zu reden! Im AT und NT wird von Menschen berichtet, die wirklich vom Tod wieder auferweckt wurden, wie z. B. die Tochter von Jairus (Lk. 8), der verstorbene Sohn der Witwe zu Nain (Lk. 7), oder Lazarus (Joh. 11). Auch von ihnen wird nicht berichtet, dass sie über ihre Erlebnisse nach dem Tod etwas erzählt hätten. – Im Gegensatz dazu werden die sogenannten Sterbeerlebnisse in aller Breite ausgeführt; es werden sogar Bücher darüber geschrieben und Filme gedreht.
In Hebr. 9,27 lesen wir: „Es ist den Menschen bestimmt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht“. Von der Heiligkeit Gottes ist in den allermeisten der berichteten Fälle nichts zu erkennen. Dabei berichtet die Heilige Schrift von Anfang bis zum Ende, dass die Sünde, das Reden, Denken und Handeln entgegen Gottes Wesen und seinen Geboten, das große Problem ist, das den Menschen von Gott trennt. Die ewige Strafe, das ewige Getrenntsein von Gott (Hölle) wird im Allgemeinen ignoriert. Dabei sprach doch Jesus Christus mehrfach davon (z. B. in Mt. 5,29–30; 10,28; 13,42; 23,33; 25,41+46; Offb. 21,8).
Zu allen Zeiten gab es die Sehnsucht, den Vorhang des Todes zu lüften: Wie sieht es dahinter aus? Auf der anderen Seite hat man aber kein Vertrauen in die Heilige Schrift, die hier die verlässliche Quelle ersten Ranges ist; vielmehr sucht man an anderen Quellen, mit oft fatalen Folgen. Wir glauben eben so leicht das, was wir glauben wollen!
Wenn gottesfürchtige Menschen in der Bibel dem lebendigen Gott (oder Engeln) begegnet sind, haben sie nicht reine Liebe und totale Annahme erlebt, sondern sie verspürten Furcht vor dem dreimal Heiligen. Denken wir an den von Gott viel geliebten Daniel (Dan. 8,17–18; 10,7–10.17–19) oder an den von Gott geliebten Johannes (Offb. 1,14–17). Letzterer beschreibt Jesus nicht mit blauen Augen, wie Colton Burpo in „Den Himmel gibt’s echt“, sondern „seine Augen waren wie eine Feuerflamme“.
Die Bibel warnt vor dem „Engel des Lichts“
In der Heiligen Schrift wird uns nicht nur Gott, der Schöpfer, offenbart, sondern auch der Widersacher. Satan wird hier allerdings nicht beschrieben mit Pferdefuß, Hörnern, Schwanz und Fledermausflügeln, oder mit verfaulten Zähnen (so nach Alex und Kevin Malarkey), sondern als leuchtender Stern, außerordentlich schön, intelligent, stark und anziehend (vgl. Hes. 28,12b–16; Jes. 14,12–14).
So sagte das Lichtwesen in Nahtoderlebnissen, die Aufgabe im Leben bestünde darin, andere zu lieben und Wissen zu erlangen. Es sagte nicht, dass wir die allein rettende Glaubensbeziehung zum Herrn Jesus Christus suchen und finden sollten. Dieser ist die Liebe in Person und der einzige Weg, um wirklich zu erkennen, was Liebe ist. Auch schon in 1. Mose 3,5 versprach Satan, die Schlange, Wissen und Erkenntnis. Wenn das Lichtwesen die Sünden von Sterbenden teilweise mit Humor hinnahm, wird deutlich, dass dies nur vom Vater der Lüge (Joh. 8,44) kommen kann. Jesus Christus ist für Sünden am Kreuz gestorben.
In 2. Kor 11,14 wird deutlich darauf hingewiesen: „… der Satan selbst verkleidet sich in einen Engel des Lichts“ . Und der Apostel Paulus warnt klar in Gal. 1,6–8: „Mich wundert, dass ihr euch so schnell abwenden lasst von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium, während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht!“
Nahtod ist nicht ganz tot!
Auch wenn wir nicht alle medizinischen Vorgänge bis ins Letzte erklären können, ist deutlich, dass diejenigen, die aus dem Sterbeprozess wieder zurückgekommen sind, eben nicht ganz tot waren, sondern nur im Sterben lagen. Wenn jemand nach Wien fährt und am Stadtrand wieder zurückkehrt, was kann er mir Verlässliches über die Stadtmitte sagen?
Satan wird von Christus als „Fürst dieser Welt“ bezeichnet. Menschen mit Sterbeerlebnissen waren nicht wirklich tot, sondern noch im Bereich dieser Welt. So können verführerische Nahtoderlebnisse auch gedeutet werden als Satans äußersten Versuch, diese Menschen zu blenden und dadurch auch viele andere zu verführen.
„Ich war im Himmel!“ – Wirklich? – Eine „wahre Geschichte“ erweist sich als falsch
Der damals sechsjährige Junge Alex Malarkey wurde 2004 in den USA bei einem Autounfall so schwer verletzt, dass er ins Koma fiel und an der Schwelle zum Tod stand. Zwei Monate später erwachte er wieder, blieb aber vom Hals an abwärts gelähmt. Er schilderte, wie ihn Engel in den Himmel gebracht hätten und er Jesus persönlich getroffen habe. Daneben habe er auch einen Blick auf die Pforten der Hölle werfen können. Sein Vater Kevin notierte sich alles und veröffentlichte zusammen mit Alex 2010 die Geschichte in dem Buch „Der Junge, der aus dem Himmel zurückkehrte – Eine wahre Geschichte“. Es wurde in den USA ein Bestseller und sogar als Spielfilm verarbeitet. In deutscher Sprache wurde es vom christlichen Verlag Gerth Medien veröffentlicht. Im Januar 2015 stoppte der Verlag Gerth Medien die Auslieferung des Buches „aus inhaltlichen Gründen“. Was war passiert?
In jenem Jahr wandte sich der inzwischen 17-jährige Alex mit einem veröffentlichten Brief an alle Verlage, die das Buch verbreiteten, und ebenso an die Leser und gestand, dass alles ein Betrug war: „Ich bin nicht gestorben. Ich bin nicht im Himmel gewesen.“ Die angeblich wahre Geschichte war frei erfunden. „Ich habe gesagt, dass ich im Himmel war, weil ich dachte, dadurch Aufmerksamkeit zu erhalten. Als ich damals diese Behauptungen aufstellte, hatte ich noch nicht die Bibel gelesen. Menschen haben von Lügen profitiert und tun das immer noch. Sie sollten die Bibel lesen, das ist genug. Die Bibel ist die einzige Quelle der Wahrheit.“ Nur durch Bekennen der Sünden und den Glauben an Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben ist, könne man in den Himmel kommen – und nicht, indem man ein menschliches Werk lese. Alex Malarkey: „Ich möchte die ganze Welt wissen lassen, dass die Bibel ausreicht.“ Das sollten die Herausgeber von Büchern über angebliche Himmelserfahrungen bedenken. Aber das gilt genauso auch für alle neugierigen Leser!
Der Himmel und die Gemeinschaft mit dem heiligen Gott sind kein billiges Geschenk. Jesus Christus hat dies für uns am Kreuz von Golgatha teuer erkauft. Das darf nie übersehen oder übergangen werden! Himmelsberichte ohne Verbindung mit dem Kreuzestod Jesu sind verführerisch und schädlich.
Die Stimme aus dem Totenreich und die Stimme aus Gottes Reich
In Lk. 16 erzählt uns Jesus die Geschichte von dem reichen Mann und dem armen Lazarus. Der Reiche leidet im Totenreich große Qualen. Als ihm deutlich gemacht wird, dass der arme Lazarus ihm nicht helfen kann, bittet er, dass Lazarus zu seinen noch lebenden Brüdern geschickt wird, um sie vor diesem Ort der Qual zu warnen. Die Stimme aus dem Totenreich ertönt auch heute ganz ähnlich wie damals: Lk. 16,30: „… wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, dann werden sie sich bekehren.“ – Die Antwort gilt ebenso auch heute noch: „Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören (sinngemäß: auf die Bibel), so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.“
Jesus Christus war wirklich tot und ist leibhaftig (mit erneuertem Körper) auferstanden. Sein Wort genügt (2. Tim. 3,16–17). Es enthält mehr, als wir auf den ersten Blick denken. Es ist unfehlbarer Kompass und Quelle der Kraft und des ewigen Lebens.
