Für Jesus ist die Wahrheit der Schlüssel zu einem befreiten Leben. Er sagt zu den Juden, die ihm geglaubt haben, die also seine Jünger geworden sind: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, dann seid ihr wirklich meine Jünger.“ Dann fügt Jesus den bedeutungsvollen Satz hinzu: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,31f.).
Was meint Jesus damit? Wovon soll die Wahrheit uns befreien? Wie sieht das praktisch aus, mit der Wahrheit als Schlüssel die Tür zur Freiheit aufzustoßen? Auch die Jünger damals waren verwirrt. Sie haben nicht verstanden, wovon Jesus redet. Vor allen Dingen wussten sie nicht, wovon Jesus sie befreien will. Sie dachten, sie leben in der Freiheit.
So argumentieren sie auch: „Wir sind Abrahams Nachkommenschaft und sind nie jemandes Sklaven gewesen“ (Joh 8,33). Als Christen würden wir wahrscheinlich sagen: Wir sind in einer Gemeinde groß geworden und niemals in massiven Süchten verstrickt gewesen. Wovon müssen wir also befreit werden?
Bete dafür, deine tiefere Motivation zu erkennen
Wir machen uns oft nicht bewusst, warum wir manche Dinge tun. Oft sind es die beiden Grundbedürfnisse „Sicherheit“ und „Bedeutung“, die uns antreiben. Abraham ist von seinem Grundbedürfnis Sicherheit bewegt, als er Sara vor Abimelech als seine Schwester ausgibt und verschweigt, dass sie seine Frau ist. Damit riskiert Abraham, dass Sara in dem Harem anderer Männer landet. Als der Schwindel auffliegt, stellt Abimelech Abraham zur Rede: „Was hast du damit beabsichtigt, dass du dies getan hast?“ (1Mo 20,10) Die Begründung, die Abraham bringt ist: „Ich sagte mir: Gewiss ist keine Gottesfurcht an diesem Ort.“ Das ist die oberflächliche Begründung, von der Abraham überzeugt ist. Aber es scheint so zu sein, dass Abraham in dieser Situation nicht glaubt, dass Gott ihm helfen kann, wenn der Patriarch zu der Wahrheit steht. Deshalb nimmt er lieber Zuflucht zur vermeintlichen Sicherheit, die ihm die Lüge bietet, anstatt seine Sicherheit in Gott zu suchen. Es ist also ein typisch menschliches Muster, dem Abraham hier folgt. Ein Muster, das ihm wahrscheinlich gar nicht bewusst ist.
Solchen unbewussten Entscheidungen begegnen wir in der Bibel immer wieder. So zum Beispiel bei Gehasi, der von Naeman hinterlistig Bezahlung für dessen Heilung erbittet. Dieser finanzielle Grundstock gibt Gehasi Sicherheit, auch über den Tod seines alternden Dienstherrn hinaus für seinen Lebensunterhalt sorgen zu können. Dafür nimmt Gehasi sogar eine Lüge in Kauf (2Kö 5,21). Er vertraut nicht darauf, dass Gott ihn versorgen kann, wenn der Prophet Elisa gestorben ist.
Es sind diese tief in unserer Biografie verwurzelten Denkmuster, die uns bewegen, bestimmte Dinge zu tun. Diese Denkmuster sind nicht einfach weg, wenn wir Christ werden. Sie prägen uns oft unbemerkt, auch weiterhin. Wir haben keine Festplatte in unserem Kopf, die wir einfach löschen könnten.
Unsere Gedanken werden zu Worten und unsere Worte werden zu Taten. Paulus schreibt deshalb den Römern sehr bewusst, dass sie durch die Erneuerung ihres Sinnes, also ihres Denkens, verwandelt werden sollen (Röm 12,2). Wir müssen also von unseren falschen Denk- mustern frei werden. Wer beginnt, anders zu denken, der wird auch beginnen, anders zu leben. Der wird zunehmend seine Sicherheit und seine Bedeutung nicht bei den Dingen suchen, auf die er sich bisher verlassen hat, sondern bei Gott.
Natürlich können seelsorgerliche Gespräche helfen, intensiv über unser Leben zu reflektieren und die eine oder andere verborgene Motivation bei uns zu entdecken. Aber es ist vor allem der Heilige Geist, der uns in der Tiefe davon überführt, was uns antreibt und nicht auf Gott ausgerichtet ist. Deshalb ist es wichtig zu beten: „Sende dein Licht und deine Wahrheit“ (Ps 43,3).
Beschäftige dich mit Gottes Wahrheit
Die Wahrheit, also Gottes Gedanken über unser Leben, erfahren wir vor allem, wenn wir die Bibel lesen. Deshalb ist Bibellesen kein Zweck an sich, sondern Bibellesen verfolgt ein Ziel. Gottes Wort will uns in die Freiheit führen von unseren unbiblischen Denkmustern. Erst anhand der Bibel erkennen wir unsere falsche Motivation. Deshalb ist Bibellesen so wichtig und der Nährboden für jedes gesunde geistliche Wachstum.
Ein Sklave, der nie das Gesetz gelesen hat, das ihm die Freiheit garantiert, wird in der Sklaverei bleiben. Es wird ihm nicht auffallen, dass es eine Freiheit gibt, die er nicht hat. So können wir als Christen uns daran gewöhnen, dass die Sünde uns bestimmt, trotzdem wir Christen sind. Erst, wenn wir in Röm 6,11 lesen: „Haltet euch der Sünde für tot – lebt Gott in Christus Jesus“, wird es uns dämmern: Es gibt eine Freiheit, von der Macht der Sünde. Ich bin bisher vom falschen Gedanken ausgegangen: Gegen Sünde kann ich mich nicht wehren.
Wenn wir uns anstrengen, bedeutsam für andere zu sein, wird uns Eph 5,1 weiterhelfen. Dort steht: Wir sind geliebte Kinder Gottes! Auch wenn wir es nicht fühlen. Auch wenn wir denken, dass unser Versagen bewirkt, dass wir keine Kinder Gottes mehr sind. Gottes Wort sagt es uns. Deshalb können wir uns darüber freuen, Gottes Kinder zu sein. Das gibt uns Bedeutung unabhängig von unserer Leistung. Deshalb müssen wir unseren Wert auch nicht von der Anerkennung der Menschen abhängig machen. Gottes Kind zu sein ist viel mehr wert als alle Anerkennung durch unsere Zeitgenossen. Das ist Gottes Wahrheit, die mir zeigt, dass ich bisher falsch gedacht habe.
Gib Gott recht
Gottes Wahrheit zu erkennen ist die eine Sache. Gottes Wahrheit anzuerkennen, eine andere. Wenn mein Denken durch Gottes Wort bestätigt wird, lebe ich in der Freiheit. Aber wenn Gottes Wort meinem Denken widerspricht, lebe ich nicht in der Freiheit, die Gott sich für mein Leben wünscht. Deshalb ist es wichtig, Gottes Wahrheit meiner Lüge gegenüberzustellen. Manchmal ist es sogar hilfreich, das mit einer Tabelle zu machen. Die erste Spalte ist überschrieben mit: „Ich sage“ und die zweite Spalte mit „Gottes Wort sagt“. Am besten trägt man in der zweiten Spalte auch den Bibelvers ein, der die Grundlage der biblischen Aussage ist.
So könnte in der ersten Spalte stehen: Ich sage: Ich bin ein Versager und für Gott nichts wert. In der zweiten Spalte steht: Gott sagt: Du bist mein geliebtes Kind. Die Frage ist jetzt: Welcher Aussage glaube ich? Ein anderes Beispiel könnte sein: Mein Leben unterstreicht mein Denken: Gott will, dass ich mich vor allen Dingen um mich selbst kümmere und Nachfolge nicht übertreibe. Aber Gottes Wort sagt: „Jesus ist für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist“ (2Kor 5,15). Es geht darum, Gott recht zu geben. Sein Wort anzuerkennen, auch wenn wir uns nicht danach fühlen, oder es uns schwer fällt, diese Wahrheit zu leben.
Tue, was Gott sagt
Es klingt einfach: Tue, was Gott sagt. Ist es aber oft nicht. Doch Gott hat uns dazu befreit, Gottes Willen zu tun. Durch sein Wort zeigt Gott uns, wo wir noch Gefangene unseres Denkens und unserer Biografie sind.
Es ist hilfreich die Lüge, nach der wir leben, vor uns auszusprechen und sie uns bewusst zu machen: „Herr Jesus, du weißt, dieses Geld verspricht mir Sicherheit. Aber das ist nicht wahr. Du allein kannst nur meine Sicherheit sein“. Oder, wenn Geld als vermeintliche Sicherheit mich versucht, ziehe ich eine Karteikarte aus meiner Tasche oder öffne ein Notizprogramm auf meinem Handy. Dort lese ich mir selbst dann vor: „Trachte zuerst nach dem Reich Gottes, so wird dir alles zufallen“ (Mt 6,33) oder „Wenn du Nahrung und Kleidung hast, lass dir daran genügen. Die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick …“ (1Tim 6,8f.).
Es ist klar: Mit unserer eigenen Kraft können wir nie so leben, dass Gott geehrt wird. Aber dafür hat uns Gott seinen Geist geschenkt. ER bewirkt in uns das neue Leben und hilft uns, Gottes Wort zu tun. Deshalb können wir beten: Danke, Herr Jesus, du hast mich freigemacht von meiner Lust, meiner Habgier und meinem Zorn. Auch wenn diese Dinge mich immer wieder neu beherrschen wollen, rechne ich damit, dass du in mir stärker bist und deine Wahrheit und dein Leben durch mich lebst.
Wer so betet, hat verstanden, dass die Wahrheit Gottes wirklich der Schlüssel ist, um unser Christsein in Gottes Freiheit leben zu können.
