Menschen zur Wahrheit führen

Autor

Joel Fey

Kategorie

Evangelisation

Magazin

1 / 2022

Wie würdest du reagieren, wenn ein Unbekannter eine festgefahrene Sünde in deinem Leben beim Namen nennt? Wenn jemand so tief in dein Herz sieht, dann kann er dir bestimmt auch helfen, dass es anders werden kann.

So ähnlich muss es einer Frau aus Samaria gegangen sein. Sie ist allein unterwegs, denn niemand wollte mit ihr etwas zu tun haben. Ausgrenzung gehörte schon lange zu ihrem Leben. Aufgewachsen in einem Teil des Landes, in dem die Bewohner als Mischvolk beschimpft wurden. Seit jeher hatten sie keinen Zugang zum Tempel in Jerusalem. Damit wurden sie gehindert sich mit Gott zu versöhnen. So entstand eine eigene Opferstätte auf dem Berg Garizim.

Jedoch hat sich die Frau in vielen Sünden verstrickt und bestimmt längst aufgegeben mit Gott „ins Reine“ zu kommen. Doch an diesem einen Tag veränderte sich alles – sie wurde von Jesus Christus angesprochen. Liebevoll begegnet er der verstoßenen Frau und führt sie zurück zu dem Bedürfnis mit Gott versöhnt zu sein. Er zeigt ihr auf, wie sie vergeblich versucht ihren Lebensdurst zu stillen und bietet ihr lebendiges Wasser an. Er möchte ihr ewiges Leben geben! Wir alle kennen diese Begebenheit am Jakobsbrunnen aus Johannes 4, 1–42. Hast du folgende Punkte in dem Bericht schon entdeckt?

Jeder Mensch sucht nach Wahrheit

Die Frau am Jakobsbrunnen suchte unbewusst nach Wahrheit. Als Jesus sie auf ihre Sünde angesprochen hat, war ihre Reaktion: Wo soll ich mit dieser Schuld hingehen? Es wurde ihr beigebracht, dass sie zum Berg Garizim sollte, doch die Juden behaupteten, dass man nur in Jerusalem zu Gott kommen kann. Sie wusste nicht, was nun die Wahrheit ist! Jesus machte ihr klar, dass sie überall und jederzeit Gott begegnen kann. Mehr noch … er ist gerade jetzt bei ihr und schaut ihr tief ins Herz.

Wenn wir uns offen mit unseren Mitmenschen unterhalten, dann werden wir feststellen, dass jeder eine Sehnsucht nach der Wahrheit hat. Sie sind aber verwirrt und enttäuscht von den vielen Wegen und Meinungen. Sie haben aufgegeben die Wahrheit zu suchen und geben sich damit zufrieden, dass jeder seine eigene Wahrheit hat. Sie stillen ihren Lebensdurst mit allem möglichen und verdrängen ihre Sehnsucht nach Wahrheit. Diese Menschen gewinnen wir nicht, indem wir sie mit Fakten von der Wahrheit überzeugen wollen. Nein, sie selbst müssen der Wahrheit begegnen. Um andere Menschen zur Wahrheit zu führen, müssen wir sie zu den Worten Jesu hinführen.

Wenn ich meinen Mitmenschen gut zuhöre, erkenne ich ihre persönlichen Bedürfnisse und erfahre, wie sie versuchen diese zu stillen. Von da ausgehend kann man ihnen ihr tieferes Bedürfnis nach Wahrheit – nach Gott aufzeigen, welches in Wahrheit hinter ihrem gefühlten Bedürfnis steht. Der XEE-Gesprächsleitfaden hilft mir genau auf diese Art anderen Menschen aufzuzeigen, dass sie doch ein Bedürfnis nach Gott haben, ihn aber ignorieren und dadurch mit der folgenreichsten Sünde leben.

Die Wahrheit wird schrittweise erkannt

Die Samariterin erkannte immer mehr, wer Jesus ist. Zuerst stellt sie fest: Er ist ein Jude (V. 7–10)! Dann wurde ihr klar, dass er größer ist als Jakob (V. 11–15). Als er über ihren sündhaften Wandel Bescheid wusste, erkannte sie: Er ist ein Prophet (V. 16–24) und zuletzt bekannte sie: Er ist der Christus (V. 25–30).

Der Schlüssel der Erkenntnis lag in der Wahrheit über ihr eigenes Herz. Oder konkreter gesagt, in der persönlichen Sündenerkenntnis und im Erkennen ihrer Erlösungsbedürftigkeit.

Vielen Menschen ist bewusst, dass in ihrem Leben nicht alles in Ordnung ist. Doch sie sehen es nicht als Sünde, die sie von Gott trennt. Wenn sie Jesus mehr und mehr kennenlernen, dann wird immer deutlicher, dass er ihr Herz kennt und er die Sünde nicht einfach stehen lässt. Jesus Christus macht aber keine Vorwürfe, sondern bietet die einzige Lösung an.

Wenn du mit verlorenen Menschen gemeinsam die Bibel liest, dann kannst du erleben, wie sie von Kapitel zu Kapitel Jesus kennenlernen, ohne dass du selbst „predigen“ musst. Sie erfahren zuerst mehr über seine Herkunft, verstehen, dass er kein gewöhnlicher Mensch war, staunen wie er sie sieht und erkennen ihn dann als ihren persönlichen Erlöser.

Von der Wahrheit kann man nicht schweigen

Obwohl die Frau in ihrem Dorf einen schlechten Ruf hatte, ging sie gleich hin, um die anderen auf Christus aufmerksam zu machen. Ihre Botschaft war: „Kommt und seht!“ Sie bezeugte in aller Schlichtheit: „Er wusste alles über mich!“.

Wer der Wahrheit begegnet, wird von dieser Wahrheit sprechen! Wir müssen nicht alle Straßenprediger oder scharfsinnige Apologeten sein. Das Evangelium verbreitet sich zuerst über den Aufruf: „Komm und sieh!“ (Joh 1,39.46). Die Menschen hörten, kamen und glaubten! (Joh 4,47–51). Wir müssen die Wahrheit unseren Mitmenschen nicht beweisen, sondern sie zu der Wahrheit führen. Der Heilige Geist wird die Menschen durch die Wahrheit überführen (Joh 16,8).

Unser schlichtes Zeugnis und das Angebot „Komm und sieh!“ ist unsere erste und wesentliche Evangelisationsstrategie. Es sollte unser Lebensstil sein! Jünger sein bedeutet Jünger machen! Wir erleben genau das in zwanglosen evangelistischen Hauskreisen. Man trifft sich und liest das Johannesevangelium oder ausgewählte Abschnitte, die einen roten Faden durch die Bibel aufzeigen. Da hören Menschen das Zeugnis von Christen und lernen Jesus kennen.

Jesus Christus ist die Wahrheit

Jesus zeigt der Frau, dass die Wahrheit nicht auf dem Berg Garizim, noch in Jerusalem zu finden ist, sondern in ihm als Person. Wahre Anbetung ist die direkte Verbindung von Menschen und Gott ohne eine Vermittlung. Jesus Christus ist die Wahrheit! Es sind seine Worte, welche die Wahrheit in unserem Herzen aufdeckt und die Wahrheit der Erlösung aufzeigt. Darum betet Jesus für uns: „Heilige sie durch die Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit!“ (Joh 17,17).

Die Jünger waren unterdessen in der Stadt unterwegs, um Essen zu besorgen. Hatten sie im Blick, dass sie diese Menschen auch zu Jesus führen sollten? Oder dachten sie, dass die Samariter ihre eigene Wahrheit hatten und nicht überzeugt werden können? Die Jünger erkannten nicht, dass diese Stadt ein reifes Erntefeld war (Joh 4,35–38). Doch Gott gebrauchte das spartanische Zeugnis der verachteten Frau, um in dieser Stadt zu ernten. Es „glaubten viele Samariter“ aufgrund ihres Zeugnisses und dann „noch viel mehr Leute“ als sie die Worte Jesu gehört haben.

Sind wir bereit die „Samariter“ unserer Gesellschaft zu erreichen? Oder begegnen wir ihnen nur beim Einkaufen und vernachlässigen Saat und Ernte? Wir finden sooft Ausreden, warum es gerade jetzt nicht dran sei, jemanden mit dem Evangelium zu konfrontieren und gehen unbemerkt an der reifen Ernte vorbei.

Jesus musste den Jüngern erklären, dass er nicht von ihren Einkäufen satt wird, sondern indem er den Willen des Vaters erfüllt. Verlorene Menschen zur Wahrheit führen ist Gottes Wille. Wann bist du zuletzt von dieser Speise satt geworden?