Das Ziel des Gesetzes ist Christus

Autor

Timo Weber

Kategorie

Bibelarbeit

Magazin

2 / 2022

In Römer 10,4 steht: „Denn Christus ist das Endziel des Gesetzes zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt.“ Was meint der Apostel Paulus mit dieser Aussage? Um das zu verstehen, muss man zuerst die Frage stellen, was Paulus mit dem Begriff Gesetz meint. Der griechische Begriff nomos ist an dieser Stelle korrekt mit Gesetz übersetzt. Doch der Jude Paulus dachte dabei an den hebräischen Begriff Thora, was man mit Weisung übersetzen könnte. Unter der Thora wiederum verstand er zuerst die 5 Bücher Mose der Weisung Gottes an das Volk Israel.

Für viele Menschen ist die Thora zuerst ein Buch voller Gesetze und Regeln. Dies ist auch ein Teil ihres Inhalts. Die Zehn Gebote befinden sich in der Thora und die Juden zählen insgesamt sogar 613 Gebote in der Thora. Diese Gebote bezeichnet Paulus als gut, gerecht, heilig und geistlich. Die Werte Gottes sind nicht der Wahl des Menschen überlassen, sondern werden in der Thora gesetzt, was nicht verwundert, denn die Thora ist nämlich, wie der Rest der Bibel, gottgehaucht und nützlich.

Doch die Thora besteht nicht nur aus Gesetzen, sie ist kein Gesetzbuch mit Geschichte. Die Thora ist ein Geschichtsbuch mit Gesetzen, bestehend aus dem Dreiklang Geschichte, Gesetz und Verheißung.

Der Aspekt der Geschichte in der Thora wird dadurch deutlich, weil in den 187 Kapiteln 2.552 Jahre Menschheitsgeschichte von der Schöpfung bis zum Tod Moses beschrieben sind. Dabei werden alleine in den ersten zwölf Kapitel der Thora viele grundlegende Aussagen Gottes über viele Glaubenswahrheiten vermittelt: Gott als Schöpfer des Himmels, der Erde und des Menschen, der Sündenfall, der Tod, weitere Folgen des Sündenfalls für den Menschen und die Erde, aber auch die Einsetzung von Werten wie der Ehe zwischen Mann und Frau, des Arbeitsauftrages des Menschen usw. In dieser Geschichte in der Thora schließt Gott, je nach Auslegung, drei bis vier Bündnisse: Den Bund mit Adam, mit Noah, mit Abraham und mit Mose. An diese Bündnisse sind Verheißungen geknüpft, z. B. die Bewahrung vor einer erneuten weltweiten Flut, die Verheißung eines Volkes, eines Landes und eines Nachkommens, der als ein Prophet wie Mose zu erkennen sein wird. Dieser Nachkomme wird das Sündenproblem des Menschen lösen: Der Messias (oder Schilo) wird von einer Frau geboren werden, ein Nachkomme Abrahams, Isaaks, Jakobs und Judas sein und der Schlange den Kopf zertreten. Alle diese Voraussagen und viele mehr erfüllen sich in Jesus Christus, so bezeugen es seine Jünger und das Neue Testament.

Die Thora ist also nicht zuerst und nicht nur eine Weisung oder ein Gesetz, sondern Gottes Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum Tod Moses. Wenn Paulus nun Jesus in Röm. 10,4 als das Endziel des Gesetzes bezeichnet, ist eine gängige Auslegung von Röm. 10,4 diese: Paulus will sagen, dass Christus das Ende des Gesetzes ist, also das Gesetz ist seit Christus ungültig und darf seitdem übertreten werden. Diese Auslegung widerspricht jedoch den Aussagen von Paulus. Paulus zitiert als Beleg für Röm. 10,4 in den nächsten vier Versen aus der Thora: Hebt Paulus die Thora also mit der Thora auf? Nein! Er setzt vielmehr das richtig verstandene Gesetz des Alten Testaments mit Christus, dem eigentlichen Sinn und Ziel des Gesetzes und mit dem Glauben an Christus gleich.

Was hat es nun mit dem Begriff Endziel (im Griechischen steht dort telos) auf sich? Man kann es mit Ende, Ziel, Endziel oder Erfüllung übersetzen. In Röm. 10,4 scheint die beste Wahl, wenn man das Denken von Paulus über die Thora in Betracht zieht, die Übersetzung Erfüllung zu sein. Wie ist Christus die Erfüllung der Thora? Zuerst einmal hat Jesus die Opferansprüche der Thora, die nötig waren wegen der Sünde, vollkommen als verheißener Messias erfüllt.

Jesus hat vorgelebt, was es bedeutet, als Mensch im Geist und in der Wahrheit die Thora in Vollkommenheit auszuleben. Wer nun als Gläubiger sich mit Jesus identifiziert, wird so in diese Art zu leben transformiert, durch Gott, nicht durch Werke. Denn Jesus macht dem Gläubigen Gottes moralischen Standard groß: Jesus lehrt, die Extrameile zu gehen, den Nächsten zu lieben, statt zu hassen, zu geben, anstatt zu nehmen.

Der Theologe Guido Baltes drückt es so aus: „In Christus kommt die Thora zu ihrem Höhepunkt der Reise, sie läuft auf ihn hinaus. Im Lesen und Studieren der Thora wird der Leser bei Christus landen!“ Dabei betont Baltes, dass die Frage in Röm. 10,4 nicht „Was ist das Ziel der Thora?“ ist, sondern „Wer ist Christus?“ und die Antwort ist: „Christus ist das Endziel der Thora.“

Und nun ist die Frage: Glaube ich an diesen Jesus? Ist diese Frage nach der Wichtigkeit des Glaubens eigentlich neu? Nein! Schon in der Thora wird deutlich: Die Errettung des sündigen Menschen kommt durch den Glauben an Gott, nicht durch das Einhalten von Geboten oder durch Werke: Abram wurde durch den Glauben gerecht gesprochen, vor seiner Beschneidung und vor dem Kommen des Gesetzes des Moses! Paulus sagt also in Röm. 4,9–13, dass der Glaube für Abrahams Errettung entscheidend war. Wir sind als Christen Teilhaber des Neuen Bundes, indem wir an Jesus, den Mittler dieses Neuen Bundes glauben! Dieser Neue Bund beinhaltet die Thora und damit Gottes gute Gesetze, Gebote und Werte.

Demnach: Nur indem man an Jesus Christus glaubt, wird man fähig, der Thora zu gehorchen. Nicht an Jesus zu glauben heißt, der Thora nicht zu gehorchen. Indem man an Jesus glaubt, wird man fähig, nach den guten Werten Gottes zu leben! Diese Werte sind von Gott selbst eingesetzt und unterliegen nicht der Wahl des Menschen. Gott sei die Ehre dafür!

Autor

Timo Weber