Basisseelsorge im Bewusstsein der Ewigkeit

Autor

Eva Powilleit

Kategorie

Aus der Praxis

Magazin

3 / 2021

„Wir müssen die Ewigkeit mehr in unsere Beratung einbeziehen“, sagte mir ein gläubiger Psychiater. Wir hatten über das Leid chronisch Kranker gesprochen. Darüber, wie wir Menschen helfen könnten, deren psychische oder körperliche Krankheit in diesem Leben nie mehr komplett heilen würde.

Nicht nur in solchen Situationen, nicht nur „als Vertröstung auf den Himmel“ ist der Blick auf die Ewigkeit bedeutsam. Als Kinder Gottes sind wir alle herausgefordert, über unsere begrenzte Lebensspanne und über das Sichtbare hinauszudenken: „… So sucht das, was droben ist, wo der Christus ist …“ (Kol. 3,1ff.).

„Droben, wo der Christus ist“, das bezeichnen wir als den Himmel. Der Himmel beginnt nicht erst am Ende der irdischen Zeit, sondern ist schon jetzt. Es wird den Himmel immer geben – in Ewigkeit.

Wenn der Herr Jesus in Herrlichkeit wieder- kommt, wird der Himmel, diese andere Dimension, für uns Gotteskinder sichtbar. Darauf freuen wir uns. Wir sehnen uns danach, Christus zu sehen und reinigen uns durch sein ein für alle Mal gebrachtes Opfer beständig für diese Begegnung (1. Joh. 3,2–3). Das verändert unseren Charakter. Es spornt uns zur Heiligung an. Wie alte Kleider sollen wir alles ablegen, was Gottes Wesen widerspricht. Mit unseren neuen Charaktereigenschaften sollen wir dagegen immer mehr dem Bild entsprechen, nach dem Gott uns geschaffen hat (Kol. 3,3–15).

Wenn wir fest mit der Ewigkeit rechnen, wird sich das auf weitere Bereiche unseres Lebens auswirken:

  • Wir werden unseren Besitz nicht nur dafür einsetzen, dieses irdische Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Stattdessen werden wir gezielt in den Himmel, in das Reich Gottes investieren – zum Beispiel, indem wir die Mission fördern oder bedürftige Geschwister unterstützen. Im Himmel werden unsere Schätze weder gestohlen noch durch Inflation vernichtet. Wenn unser Guthaben dort gelagert ist, wird das wieder- um unsere innere Verbindung zum Himmel stärken. Denn: Wo unser Schatz ist, da ist auch unser Herz (Mt. 6,19–21).
  • Wir werden unsere Zeit bewusst gestalten. Die Lebenszeit auf dieser Erde ist kurz, und so sollen wir sie nutzen, um Gutes zu tun (Gal. 6,9). Alles wird aufgedeckt und offenbar werden, deshalb sollen wir unser Leben weise führen und die Zeit auskaufen (Eph. 5,13ff.).
  • Das Wissen um die Ewigkeit hilft uns, auch schwere Zeiten mit Gottes Augen zu sehen. Leid ist nicht etwas, das mit allen Kräften vermieden werden muss. Wir sehen hier nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Gemälde der Ewigkeit. Wenn wir dagegen gedanklich ein paar Schritte zurückgehen und die Ewigkeitsperspektive einnehmen, sehen wir das große Bild und verstehen, dass unsere Leiden in dieser Zeit nur einen kleinen Bruchteil gegenüber der Herrlichkeit darstellen, die an uns offenbart werden wird (Röm. 8,18).
  • und vor einer Verfolgung aufgrund unseres Glaubens. Wir lesen: „Die zeitliche und leichte Trübsal schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit“ (2. Kor. 4,17). Mit dieser Hoffnung können wir allen Ängsten begegnen!
  • Wenn wir all das im Blick haben, sehen wir auch unsere Geschwister mit anderen Augen: Wir sind gemeinsam Miterben Christi, die mit Ihm leiden und mit Ihm zur Herrlichkeit erhoben werden sollen (Röm. 8,17). Der Blick auf das ewige Erbe stärkt unsere Liebe zueinander. Wir sollen aufeinander achthaben, einander anspornen und geistliche Gemeinschaft suchen (Hebr. 10,24f.).
  • Wir sehen: Die Ewigkeitsperspektive verändert. Es lohnt sich, sie in die Basisseelsorge einzubeziehen. – Daher:
  • Sprecht über die Ewigkeit! Erzählt einander, wie diese Perspektive euren Alltag prägt. Überlegt gemeinsam, was der Himmel konkret bedeutet. Wir müssen nicht über vage Fantasien nachdenken, sondern können miteinander forschen, was die Bibel uns etwa über folgende Fragen mitteilt: Was passiert direkt nach dem Tod? Was ist eigentlich Herrlichkeit? Was werden wir im Himmel tun? Was wissen wir über die Entrückung?
  • Tröstet euch mit Bibeltexten! Und zwar mit solchen, die von diesen Themen sprechen (1. Thess. 4,13–18). Ganz wichtig: Denkt bei Problemen gemeinsam darüber nach, wie die Situation aus der Perspektive der Ewigkeit heraus betrachtet werden kann.
  • Lernt Gott kennen! Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist in seiner Allmacht, Herrlichkeit und Schönheit ist das Zentrum der Ewigkeit. Alles hat Bezug zu Ihm. Je besser wir Ihn kennen, je mehr wir Ihn lieben, je tiefer wir mit Ihm verbunden sind, desto mehr werden unsere Herzen auf die Ewigkeit ausgerichtet sein.
  • Betet an! Wenn wir Gott gemeinsam mit Worten anbeten, dann stärkt das diese innere Ausrichtung. Gesungene Anbetung klingt in unseren Ohren im Alltag nach und erinnert uns an Ihn.
  • Meine Erkenntnis über den Himmel ist noch sehr bruchstückhaft. Doch weil ich täglich mit meiner äußeren und inneren Schwachheit konfrontiert bin und an meiner Sündhaftigkeit und an der Sünde in dieser Welt leide, ist dieses Wissen ein großer Trost und eine zunehmende Hoffnung: „Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petr. 3,13). Wir sind für den Himmel geschaffen! Das ist unsere Bestimmung!
Autor

Eva Powilleit