Bestelle dein Haus – eine Anweisung für Jung und Alt

Autor

Michael Happle

Kategorie

Aus der Praxis

Magazin

3 / 2021

Eine Handreichung (nicht nur) für den letzten Lebensabschnitt

Wir haben aufgrund der höheren Lebenserwartung der Menschen oft den Eindruck, dass das Sterben weit weg sei. Aber die rechtlich komplexeren Verhältnisse sorgen dafür, dass wir für unerwartete Lebenssituationen Vorsorge getroffen haben sollten, soweit es in unserer Macht steht. Dabei geht es durchaus nicht nur um das Sterben. Niemand weiß, ob er morgen noch „geschäftsfähig“ ist.

Mit jedem Jahr wird es schwerer, Entscheidungen von einer solchen Tragweite zu treffen. Mancher ältere Mensch war irgendwann nicht mehr in der Lage dazu. Manche Fragen sollten bereits früh geregelt werden. Das gilt für Ledige ebenso wie für Familien, für junge Menschen ebenso wie für Senioren. Ein Unfall, eine plötzliche, schwere Erkrankung, ein Zwischenfall bei einer Urlaubsreise etc. kann jeden treffen. Leider haben wir schon manche schwierige Situation bei Geschwistern angetroffen, die keine Vorsorge für das Leben, für Zeiten der Krankheit oder auch für das Sterben getroffen hatten.

Jeder Lebensabschnitt braucht besondere Beachtung und Vorbereitung: der Beruf; die Ehe; die allgemeine Lebensplanung … und auch das Sterben oder Zeiten schwerer Krankheit.

Geistliche und soziale Aspekte

a) Bestelle dein Haus – wir treten vor Jesus.

„Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ein Gewinn … Mich verlangt danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre“ (Phil. 1,21–23). Als Christen wissen wir, dass wir zu Jesus gehen. Das Leben hält uns aber sehr beschäftigt. Darum dürfen wir mit zunehmendem Alter darum beten, dass wir das Verlangen und die Bereitschaft haben, zu IHM zu gehen. So, wie es Paulus hier tut.

Daher ermutigen wir jeden Christen, sich mit dem Tod und dem Sterben zu beschäftigen, z. B. anhand von 2. Kor. 4 und 5.

Sei bereit, vor IHM zu stehen:

  • Ist ER deine Gerechtigkeit, siehe Phil. 3,7–9? Hast du Gewissheit des ewigen Heils?

  • Bekenne Sünde, um das Gewissen zu erleichtern, siehe 1. Joh. 1,9.
  • Lasse die Vergangenheit los. Suche Versöhnung, lege Schweres ab und bejahe es. Überwinde Hader, Zorn, Selbstmitleid, das Gefühl der Benachteiligung etc.
  • Bedenke das Zeugnis des Paulus aus 2. Tim. 4,7–8: Richte dich auf das Ziel aus.

In diesen Bereichen kann Seelsorge eine wichti- ge Hilfe sein.

b) Bestelle dein Haus – was ist dir wichtig?

Welchen Stellenwert hat für dich Gottes Wort? Das Gebet – persönlich und in Gemeinschaft? Geistliche Literatur? Wenn dir die Tageszeitung wichtiger ist als Jesus, wenn dein Beruf wichtiger ist als deine Kinder oder ein Dienst für den Herrn, dann darfst du dich fragen: Wofür lebe ich? In welcher Verfassung würde ich vor Jesus stehen, wenn es heute so weit wäre?

c) Bestelle dein Haus – regle Beziehungen

„Alles, was deine Hand zu tun vorfindet, das tue mit deiner ganzen Kraft; denn im Totenreich, in das du gehst, gibt es kein Wirken mehr und kein Planen, keine Wissenschaft und keine Weisheit.“ (Pred. 9,10)

Sage, was zu sagen ist gegenüber Angehörigen und Freunden. Drücke deine Liebe, deinen Dank, deine Freude aus. Mancher hat seinen Liebsten nie gesagt, was sie ihm bedeuten.

Suche Vergebung, wo du schuldig wurdest. Nimm zerbrochene Kontakte wieder auf, soweit nötig und möglich. Lass Anklagen gegenüber Menschen los. Oder suche die Aussprache. Blei- be das Zeugnis von Jesus nicht schuldig. Und verschweige gegenüber deinen nächsten Angehörigen keine wichtigen Informationen, die für dein Ableben wichtig sind.

Rechtliche Aspekte

Die hier angesprochenen Fragen sind für jeden Erwachsenen von Bedeutung. Selbst nächste Angehörige haben nicht automatisch umfassende Vollmachten, wenn keine Verfügung erlassen wurde. Daher bitte ich jedes Gemeindemitglied, sich diesen Fragen heute schon zu stellen.

Bestelle dein Haus – schaffe Ordnung für den „Fall der Fälle“

Sind offene finanzielle Fragen nach Möglichkeit geregelt? Hat dein Ehepartner, ein naher Angehöriger oder persönlicher Vertrauter umfassenden Einblick und eine Bankvollmacht für den Fall schwerer Erkrankung, Demenz usw.?

Wer organisiert einmal deine Beerdigung und alles, was mit dem Sterben sonst zusammenhängt (Amtsgänge)? Ist diese Person eingewiesen? Wo findet sie wichtige Unterlagen? Was ist zu bedenken?

Sind die nötigen Anordnungen getroffen, z. B.

  • Patientenverfügung
    Sie legt den Rahmen medizinischer Behandlung in der letzten Lebensphase fest. Sie bleibt aber nicht selten ungenügend, weil nicht jedes Szenario beschrieben werden kann.
  • Vorsorge- oder Generalvollmacht
    Eine Vorsorgevollmacht gibt Bevollmächtigten den Freiraum, z. B. die Festlegungen der Patientenverfügung angemessen umzusetzen.
    Der Bevollmächtigte hat darüber hinaus umfassende Vollmacht für alle amtlichen, persönlichen (z. B. für deinen Aufenthaltsort, deine Finanzen etc.), pflegerischen und medizinischen Anordnungen.
    Man findet im Internet geeignete Vorlagen. Besonders wenn Grundvermögen vorhanden ist, empfiehlt der Notar, eine Vollmacht notariell abzufassen und entsprechende Belehrung zu erfahren.

  • Testament
    Es regelt die Verwendung des Nachlasses. Ein Testamentsvollstrecker ist anzuraten, wenn nicht nahe Angehörige die Erben sind. Ein Testament ist privatschriftlich grundsätzlich ausreichend. Wichtige Angaben dabei sind: Datum, vollständiger Name, klare Anweisungen, Unterschrift. Auch hierzu kann man Muster nutzen. Bei größerem Vermögen oder komplizierten Verhältnissen sollte man aber einen Notar konsultieren.
    Verfasse dein Testament nie in einem Zustand momentaner Erregung oder Verärgerung. Bewege es vor dem Herrn und handle in der Ruhe. Bedenke: Unser Besitz gehört dem HERRN – auch im Tod. Deshalb wollen wir auch hierin seinen Willen suchen.

  • Beerdigung
    Manche Gemeinde hat ein Formular, mit dem man sie mit der Durchführung der Trauerfeier beauftragen und spezielle Anordnungen erlassen kann. (Falls nicht, kann die Vorlage der Gemeinde Stuttgart angefordert werden: kontakt@efa-stuttgart.de)
    Bei all diesen Fragen sind Gemeindeälteste gerne bereit, zu beraten oder kompetente Beratung zu finden. Auch der Verfasser steht dafür gerne bereit.
    Danke, wenn du deinen Angehörigen – in manchen Fällen auch deiner Gemeinde – unangenehme Fragen oder Komplikationen ersparst, indem du jetzt schon alle wichtigen Fragen klärst. Auch das ist Ausdruck eines reifen, verantwortungsbewussten Christseins.
Autor

Michael Happle