Viele sehnen sich nach dem Himmel. Doch diese Sehnsucht ist oft seltsam gedämpft. Es will nicht so recht Freude aufkommen. Liegt es vielleicht an Fragen wie: „Werden wir einander erkennen? Werden wir uns an Ereignisse auf der Erde erinnern?“
Oder liegt es an der Vorstellung, dass wir rund um die Uhr anbetend auf einem Platz stehen werden, ohne mit anderen zu reden? Wiederum wird sich manch einer fragen: „Lacht man im Himmel eigentlich?“ – Wir freuen uns darauf, unserem Herrn und Retter zu begegnen. Aber da ist noch etwas: All die genannten Vorstellungen und Fragen haben gemein, dass unser Menschsein und alles, was unser Leben bisher lebens- und liebenswert machte, plötzlich keine Rolle mehr spielen soll. Sehen wir uns die Beschreibung des neuen Himmels und der neuen Erde in Offenbarung 21 an:
Ein neuer Himmel und eine neue Erde
Offb. 21,1: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr.“ Zur zeitlichen Einordnung: Der Tod wird nicht mehr sein (Offb. 21,4). Wir sind also nicht im Tausendjährigen Reich, sondern in der Ewigkeit. Seit dem Sündenfall des Menschen ist die Erde verflucht und der Vergänglichkeit unterworfen. Sie sehnt sich nach Befreiung (Röm. 8,18–24). Für die Ewigkeit benötigen wir eine neue, auferstandene, reine Erde. Sünde und alle ihre Folgen werden keinen Platz mehr auf ihr haben.
2. Petr. 3,13: „Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.“ Nach dem Endgericht (Offb. 20,11) erschafft Gott eine neue Erde und neue Himmel. In der Bibel werden drei Himmel unterschieden:
- Erster Himmel = atmosphärischer Himmel (Wolkenhimmel).
- Zweiter Himmel = Universum (Sternenhimmel).
- Dritter Himmel = Gottes Wohnort außerhalb dieser Dimension.
Der erste und der zweite Himmel werden vernichtet und wie die Erde neu geschaffen. Der dritte Himmel, Gottes Wohnort, wird nicht vernichtet.¹ Dabei wird das Wesen der Schöpfung nicht zerstört. Zwar zerfällt der Mensch zu Staub und wird in der Auferstehung neu erschaffen, aber es herrscht Kontinuität, was sein Äußeres und seine Persönlichkeit anbelangt. Ich bin immer noch ich, nur ohne die Sünde. Ich werde verwandelt, aber nicht als Individuum ausgetauscht.
Vieles, was wir von der bisherigen Erde und dem Weltall kennen, wird auch in Zukunft vorhanden sein – nur unverweslich und herrlich (1. Kor. 15,42–43), frei von Sünde und ohne Fluch. Der markanteste Unterschied, den Johannes feststellt, ist der, dass das Meer nicht mehr existieren wird. Einige vermuten, dass dies so sein wird, weil es erst nach der Sintflut als Gerichtsfolge entstanden ist. Flüsse (Offb. 22,2) und wahrscheinlich auch Seen wird es auf der neuen Erde geben. Von weiteren erwähnenswerten Unterschieden berichtet er nicht.
Wenn die Vorstellung zutreffend wäre, dass wir die ganze Ewigkeit über ohne Unterbrechung vor dem Thron Gottes im Himmel stehen, Ihn anbeten und sonst nichts anderes tun würden, dann stellt sich die Frage: Warum werden die Erde und das Universum neu erschaffen?
Der größte Umzug der Menschheitsgeschichte
Offb. 21,2–3: „Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.“
Gott verlegt seinen Wohnsitz auf die neu geschaffene Erde. Sein Thron und seine heilige Stadt, Er selbst, sein Sohn und die Engel werden alle umziehen (Offb. 21,2–3.12.22). Im Paradies war er bei Adam und Eva zu Besuch, spazierte im Garten Eden und sprach mit ihnen (1. Mose 3,8). Nun wird Er seinen Wohnsitz dauerhaft auf die Erde verlegen.
Hätte sich damals jemand vorstellen können, dass Gott auf diese Erde kommen, Mensch werden, mit uns leben und für unsere Sünden sterben würde? Können wir uns heute vorstellen, dass Gott auf die neue Erde mit dem Himmel umziehen wird, um mit uns zusammenzuleben? Er wird es tun. Er ist der Immanuel – „Gott mit uns“ (Jes. 7,14). Der neue Himmel wird auf der Erde sein. Die Erde wird himmlisch. Himmel und Erde werden eine Einheit sein.
Viele Christen sehnen sich danach, zu Gott in den Himmel zu kommen. Gott sehnt sich danach, zu uns auf die Erde zu kommen. Warum tut Gott das? Ist es nicht ungeistlich, sich mit der Erde abzugeben? Wäre ein Leben im Himmel ohne andere Ablenkungen, allein auf Gott ausgerichtet, nicht heiliger? Das Problem ist nicht unser Körper, sondern die Sünde; nicht unser Alltag, sondern unsere Verfehlungen. Nicht die Erde selbst ist das Hindernis für ein göttliches Leben, sondern das Böse in uns. Wenn das Böse und dessen Folgen beseitigt sein werden, wird Gott das tun, was er mit dem Menschen und der Erde immer vorhatte.
Gott ist ein liebender Gott. Er hat uns Menschen als seine Gegenüber erschaffen. Nicht etwa, weil er uns bräuchte, sondern weil Liebe immer geben will. Natürlich bräuchte er auch die Erde und das Universum nicht. Aber Gott hat es für gut befunden, uns mit unserem Körper, mit Beziehungen und einer für uns passenden Umgebung zu erschaffen. Sein Plan hat sich nicht geändert: Was im Paradies schon hätte kommen sollen, wird in Zukunft Realität werden.
Das Paradies 2.0 startet. Gott erschafft die Erde mitsamt dem auf ihr stattfindenden Leben neu. Er plant und baut eine Stadt für uns, auf die sich schon Abraham freute (Hebr. 11,10). Jesus, der Zimmermann, gestaltet persönlich unsere zukünftige Wohnung (Joh. 14,1–3). Wie er wohl deine Wohnung gestalten wird? Wir lesen von Bergen (Offb. 21,10), einer Stadt (Offb. 21,2), Mauern (Offb. 21,12), Straßen (Offb. 21,21), Wohnungen (Joh. 14,2), Toren (Offb. 21,12) und Flüssen (Offb. 22,1). Sogar der im Himmel „überwinternde“ Baum des Lebens wird wieder da sein (Offb. 2,7; 22,2). Die ganze Schöpfung sehnt sich nach diesem Tag; sie wird nicht beiseitegesetzt.
Wir werden verschiedenen Tätigkeiten nachgehen: So werden wir anbeten (Offb. 22,3) und singen (Offb. 5,9). Auch werden wir andere Aufgaben ausführen: Wir werden mit Gott über die Erde in Ewigkeit herrschen (Offb. 3,12; 22,5). Dies allein umfasst viele Einzelaufgaben, die wir während des Tausendjährigen Reiches auch schon ausführen werden. Hier gibt es also eine Kontinuität. Wenn wir Wohnungen haben, werden wir wohl auch in ihnen wohnen und auf den Straßen gehen.
Das wahre Leben beginnt erst in der Zukunft
Offb. 21,4: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“
Offb. 21,6: „Und er sprach zu mir: Es ist geschehen! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden geben aus dem Quell des Wassers des Lebens umsonst.“
Wir sind für den Himmel gemacht. Das eigentliche, wahre Leben beginnt erst dort. Wir kommen nach Hause und werden geliebt. Die Fesseln, die uns (noch) behindern, werden abgeworfen, und wir werden aufblühen. Gott wird persönlich alle Tränen abwischen. Es wird keinen Tod, kein Leid, keine Klagen, keine Schmerzen mehr geben. „Das Erste ist vergangen“ , das bedeutet: alles Sündige und dessen Folgen. Es geht nicht um unsere Erinnerung, unsere Beziehungen oder unsere Persönlichkeit.
Wir werden einander erkennen
Der Herr Jesus wurde in seinem Auferstehungskörper erkannt; Mose und Elia sogar, ohne sie vorher je gesehen zu haben. Abraham wurde von Lazarus erkannt. Wir bleiben erkennbare Persönlichkeiten und bekommen einen neuen, einzigartigen Namen (Offb. 2,17), den kein anderer Mensch im Universum trägt. Er ist uns von Gott gegeben und drückt unsere Persönlichkeit perfekt aus, wie es bei allen Namensgebungen in der Bibel der Fall ist. Unsere eigentliche Identität wird im Himmel vollendet.
Wir werden uns an die Vergangenheit erinnern
Die Märtyrer im Himmel wussten, was ihnen geschehen war; Lazarus wusste es. Aber es schmerzt nicht mehr.
Wir bleiben miteinander verwandt
Wir werden nicht heiraten. Im Himmel gibt es keine Vermehrung, aber wir sind immer noch verwandt. Gerade an der Stelle, wo der Herr über die Ehe im Himmel redet, erwähnt er Abraham, Isaak und Jakob, also Großvater, Vater und Sohn. David war gewiss, zu seinem Kind zu kommen (2. Sam. 12,23), Mose zu seinem Bruder Aaron (4. Mose 27,12–13) und die Israeliten zu ihren Vätern (Ri. 2,10).
Wir alle sind nun mit Christus verheiratet und Geschwister. Die Qualität, die bisher nur unsere engsten Beziehungen aufwiesen, wird nun unter allen Menschen vorhanden sein. Welch ein Reichtum! Es gibt somit keinen Grund, sich unbehaglich zu fühlen, wenn wir an die Ewigkeit denken. Das Beste kommt noch. Offb. 22,4: „… Und sie werden sein Angesicht sehen und sein Name wird auf ihren Stirnen sein.“
¹ Dies ist eine mögliche Anschauung. Die andere ist, dass der dritte Himmel nur eine unter mehreren himmlischen Abteilungen ist, deren genaue Anzahl wir nicht kennen (2. Kor. 12,2). Ob er wie die alte Erde auch vernichtet wird und neu erschaffen, oder trotz Neuschaffung aller Dinge erhalten bleibt, ist wegen Hiob 15,15 die Frage. – Anm. d. Red.
