Sehr persönliche Gedanken zu einem wichtigen Thema. – Im August dieses Jahres waren meine Frau und ich in Hemberg – ich hatte die Bibelarbeiten auf einer Sommerfreizeitwoche. Und dort begegnete er uns, ohne dass wir es wussten:
Der Gedanke an den Abschied
Wenn wir in Hemberg sind, gibt es bei uns meistens Besuch, denn Geschwister meiner Frau oder Freunde nutzen dann die Gelegenheit, uns wieder einmal zu sehen. So kamen auch diesmal zwei Schwestern von Margrit mit ihren Ehemännern, um uns zu besuchen.
Was wir nicht ahnten: Einen meiner Schwager sollten wir zum letzten Mal sehen. Er und seine Frau erkrankten nach einer Familienfeier mit ausländischen Gästen an Corona, und während ich diese Zeilen schreibe, ist sein Heimgang gerade einen Tag her. Er hatte zwar ein hohes Alter, war aber im Allgemeinen immer noch ein starker und stattlicher Mann, dem man auch zugetraut hätte, die Krankheit zu besiegen.
Aber die Belastung für seine Atemorgane und den Gesamtorganismus war doch zu groß gewesen.
Es ist so eigenartig: Da schüttelst du im einen Monat noch freundlich die Hand eines Menschen, den du lange Zeit gekannt hast – und im anderen Monat stehst du sozusagen schon an seinem Grab. Es ist unheimlich, wie schnell das gehen kann. Das Schlimmste ist natürlich, wenn es ein Ehepaar trifft. Für den überlebenden Teil ist das immer besonders schwer. Im vorliegenden Fall ist es so, dass viele Kinder da sind – also kann die Mutter ein wenig aufgefangen werden.
Aber wenn keine da sind, so wie es in unserem Fall sein wird, hat das Ganze noch eine andere Dimension. Man kann nur beten, dass Gott es mit uns gnädig macht, wenn es so weit ist – sowohl für den, der als Erster zu gehen hat, wie auch für den, der überleben muss.
Und das ist schon der erste Aspekt, den ich unter meinem Thema hervorheben möchte. Meine Frau erinnert sich öfter an ein Ehepaar, das kurz vor dem Tod des Mannes noch eine kleine Auseinandersetzung hatte. Der Mann ging dann in den Garten, um dort zu arbeiten – und dort ereilte ihn der Herzinfarkt. Die Frau machte sich später bittere Vorwürfe: „Und das letzte Wort, das wir miteinander gesprochen haben, war ein böses!
Wir sagen oft zueinander: „So sollte es nicht sein.“ Manchmal sagen wir auch, halb im Spaß und halb im Ernst, als Wahlspruch: „LLS! Lieber lieb sein!“ Man weiß nie, wie lange man einander noch hat. Und je älter wir werden, umso deutlicher begreifen wir unseren Status als einander von Gott Geliehene. Aber es wird der Tag kommen, an dem Er von dem einen von uns seine gnädige und freundliche Leihgabe zurückfordern wird.
Deshalb befehlen wir uns auch vor meinen Einsätzen (wenn Margrit einmal nicht mitfährt) immer ganz bewusst dem Herrn und seiner Bewahrung an. Und halten so viel als möglich auch unterwegs Kontakt.
Margrit sagt auch immer: „Das Schlimmste ist, wenn man einen Menschen von einer Sekunde auf die andere verliert – beispielsweise durch einen Unfall. Er geht früh aus dem Haus und kommt abends nicht mehr wieder …“
Ja, das ist wahr. Aber auch, wenn man sich lange auf den Abschied vorbereiten kann, ist es natürlich nicht leicht.
Auf alle Fälle möchte ich in der Ewigkeit nicht sagen müssen: „Hätte ich doch nur … dies oder jenes meinem Ehepartner noch an Liebem getan – oder dies und jenes unterlassen!“ So beeinflusst die Ewigkeit mein Jetzt – aber vielleicht auch umgekehrt: Mein Jetzt beeinflusst die Ewigkeit!
Der Gedanke an das Rechenschaft-geben-Müssen
Ich weiß, dass viele Gläubige „systembedingt“ genaue Unterscheidungen treffen zwischen dem großen weißen Thron Gottes und dem Richterstuhl Jesu Christi. Damit soll sichergestellt werden, dass das eine der Gerichtsthron für die Ungläubigen ist und das andere der Ort, wo die unverlierbar Geretteten ihre Belohnungen empfangen.
Für mich ist diese Unterscheidung nicht so klar wie für manche sehr wissenden Geschwister, auch wenn ich ihre Motive verstehen kann. Ich lese in meiner Bibel in Röm. 14,10b: „… Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden.“ Und in 2. Kor. 5,10 heißt es: „Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“
Für mich ist es ein- und derselbe Richterstuhl, vor dem wir alle anzutreten haben und unsere Wege auf Erden verantworten müssen. Zwar gehe auch ich davon aus, dass es für Gläubige dabei nicht um Rettung oder Verlorensein gehen wird – aber eine ernste Angelegenheit ist es allemal, wenn wir „Rechenschaft abzulegen haben von unserem Haushalten“. Ich nehme an, das ist auch der Grund, warum uns Jesus in Lk. 21,36 auffordert: „So seid allezeit wach und betet, dass ihr stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.“
Das ist keine Kleinigkeit – dafür braucht es Kraft und „Stehvermögen“! Darum sollten wir uns jetzt schon im Gebet auf diesen Moment vorbereiten, an dem unser Name aufgerufen und unser Tun und Lassen vor dem ganzen Himmel ins Licht Gottes gestellt wird.
Daraus ergibt sich auch: Ich baue und webe mit jeder Sekunde meines Lebens an meiner Ewigkeit. Lohn oder Verlust, Lob oder Tadel – was ich heute tue oder unterlasse und versäume, bestimmt die göttliche Beurteilung von morgen. Nichts ist dabei unwesentlich – nicht ein einziges Wort (Mt. 12,37)! Und es gibt noch einen Aspekt, den ich in diesem Zusammenhang erwähnen möchte:
Der Gedanke an den Dienst am Willen Gottes
Dazu noch zwei Aussagen der Bibel. Die erste steht in Apg. 13,36 und lautet: „Denn nachdem David zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte, ist er entschlafen und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen.“
Vor allem der erste Teil dieser Aussage ist von Bedeutung. „Denn David, nachdem er zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient hatte.“ Wir leben nicht für uns selbst. Unsere Existenz ist kein Selbstzweck. Sondern wir leben, um einem Willen zu dienen: dem Willen Gottes. Jeder in seiner Lebenszeit, jeder in seiner Generation. Jeder in seinem spezifischen Zeitraum, der ihm von Gott zugemessen ist. Wir sind dazu da und berufen, dem Willen Gottes zu dienen: in der Welt oder in der Gemeinde. Stichwort: Mission; Stichwort: Einsatz geistlicher Begabungen, um den Leib Christi aufzuerbauen. Darum sind du und ich noch da – und jetzt ist sozusagen unsere Hoch-Zeit, (nicht Hochzeit!), unsere Saison, unser Term, unsere Einsatzrunde!
2. Kor. 5,15: „Und er ist darum für alle gestorben, damit, die da leben, hinfort nicht sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist.“
Dahinter steckt genau derselbe Gedanke wie in der Apostelgeschichte. Und stell dir vor: Wenn du und ich jetzt Schlafmützen sind, dann bleibt ein Stück vom Willen Gottes für diese Welt ungetan! Wenn wir nur für uns selbst leben, verpassen wir die Erledigung unserer irdischen Mission. Für die Zeit nach unserer Bekehrung gilt aber Lk. 1,74–75: “… dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.“ Und so will ich es auch im Ruhestand halten – und solange ich noch auf Erden bin!
In Lk. 2 kann man das in Aktion sehen bei Hanna, einer 84-jährigen Witwe, die nur sieben Jahre verheiratet war. Von ihr heißt es, sie kam nicht mehr weg vom Tempel und diente Gott mit Beten und Fasten Tag und Nacht. Das ist ein Beispiel eines fokussierten Lebens – einer Existenz, die nicht mit zweitrangigen Dingen verplempert, sondern sinnerfüllt verbracht wurde! Hier wurde gelebt nach dem Satz des Paulus aus Eph. 5,16: “… und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.“
Um des Zieles willen, das vor uns liegt, und um der Belohung willen lohnt sich jeder Einsatz, jeder Verzicht auf Sünde, jede tägliche Neuausrichtung auf die Gottesgemeinschaft und den Dienst für IHN!
Für weitere Aspekte zum Thema siehe die übrigen Artikel dieses Heftes!
